Santa Cruz de Tenerife: Sehenswürdigkeiten abseits der Kreuzfahrt-Route
Es ist 9:47 Uhr, drei Kreuzfahrtschiffe liegen im Hafen, und die Calle del Castillo ist so voll, dass ich mich an einem deutschen Ehepaar vorbeidrücken muss, das gerade lautstark über den Preis einer Sonnenbrille diskutiert. Genau in diesem Moment frage ich mich jedes Mal aufs Neue: Warum laufen eigentlich alle in dieselbe Richtung?
Denn Santa Cruz hat zwei Gesichter. Das eine zeigt sich rund um Plaza de España und die Fußgängerzone, dort, wo die Reisebusse halten, und das andere beginnt zwei Straßen weiter, wo die Touristenschwärme schlagartig dünner werden und die Stadt plötzlich ganz anders riecht — nach Kaffee, nach Fisch, nach einem normalen Dienstagmorgen. Dieser Artikel dreht sich um beide Gesichter, aber vor allem um das zweite, denn genau dort liegen die Santa Cruz Teneriffa Sehenswürdigkeiten, die in kaum einem Reiseführer stehen.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Kernsehenswürdigkeiten im Zentrum lassen sich zu Fuß in einer halben Portion Tag abarbeiten — realistisch sind 3 bis 4 Stunden.
- Der Palmetum ist das unterschätzteste Ziel der Stadt und auf eigene Faust problemlos erreichbar.
- An Tagen mit mehreren Kreuzfahrtschiffen ist die Altstadt zwischen 10 und 15 Uhr deutlich voller — wer morgens früh dran ist, hat die Straßen fast für sich.
- Ein Teil der schönsten Ecken liegt außerhalb des Stadtkerns: Playa de las Teresitas, San Andrés, der Anaga-Blick.
- Öffentliche Verkehrsmittel (Tram und TITSA-Busse) sind günstig, aber für die Innenstadt oft langsamer als die eigene Sohle.
Was macht Santa Cruz anders als andere Inselhauptstädte?
Die meisten Hauptstädte auf den Kanaren funktionieren nach demselben Muster: ein paar alte Kirchen, ein Hafen, ein Plätzchen mit Palmen. Santa Cruz macht das auch, aber es macht noch etwas anderes. Es ist eine Stadt, die sich offenbar nie ganz entscheiden konnte, ob sie koloniales Erbe oder moderne Metropole sein will, und genau diese Unentschlossenheit macht sie interessant.
Da steht die Iglesia de la Concepción aus dem 16. Jahrhundert, und keine fünf Gehminuten weiter ragt das Auditorio Adán Martín empor, ein weißes, geschwungenes Bauwerk von Santiago Calatrava, das aussieht, als wäre es von einer Welle abgeschaut. Das eine drückt Ehrfurcht vor der Vergangenheit aus, das andere eine fast schon provokante Lust am Neuen. Und dazwischen liegt eine Stadt, in der beides einfach nebeneinander funktioniert.
Altstadt oder moderne Stadt — was zuerst?
Ehrlich gesagt: Beides gleichzeitig. Ein klassischer Stadtrundgang, der strikt zwischen Alt und Neu trennt, ist verschenkte Zeit, weil die Gegensätze oft nur ein paar Meter auseinanderliegen. Wer zum Beispiel an der Plaza de España startet, sieht den riesigen künstlichen See, der das Rathaus und die Überreste des Castillo de San Cristóbal einrahmt, und stößt schon hier auf das Thema, das die ganze Stadt prägt: Geschichte wird nicht konserviert, sie wird umgebaut.
Das Castillo de San Cristóbal ist ein gutes Beispiel dafür. Von der ursprünglichen Festung ist nicht mehr viel übrig, ein Teil verschwand unter der Stadt, der Rest liegt heute in einem unterirdischen Ausstellungsraum an der Plaza de España. Man kann hineingehen, oft kostenlos, und ich habe dort schon mehr über die Geschichte der Insel gelernt als in manchem Museum mit Eintrittsgeld.
Santa Cruz de Tenerife auf eigene Faust: Was lohnt sich, was nicht?
Ich gebe es zu: Beim ersten Besuch habe ich mich an einen Reiseleiter gehängt, weil ich dachte, ohne Führung verpasse ich etwas. Heute weiß ich, dass das Gegenteil der Fall war. Der geführte Rundgang hielt uns 20 Minuten an der Plaza de España fest, dann ging es im Eiltempo zum Auditorio, drei Selfies, weiter. Die Ecken, an die ich mich zwei Jahre später noch erinnere, habe ich alle ohne Gruppe gefunden.
Wie verschaffe ich mir einen Überblick? Die Sehenswürdigkeiten auf der Karte
Das Zentrum ist kompakt, und das ist der große Vorteil. Wenn Sie sich eine gedankliche Karte zurechtlegen, hilft diese einfache Aufteilung:
- Nördlicher Kern (Altstadt): Plaza de España, Iglesia de la Concepción, Calle del Castillo, Plaza de la Candelaria.
- Östlicher Rand: Auditorio Adán Martín, direkt am Meer, mit Blick auf die Anaga-Berge.
- Südlich des Zentrums: TEA (Tenerife Espacio de las Artes), die Markthalle Mercado de Nuestra Señora de África.
- Westlich, etwas außerhalb: der Palmetum, auf einem Hügel über dem Hafen.
Eine halbwegs sinnvolle Reihenfolge, die ich inzwischen immer gehe: Mercado zuerst (morgens ist die Stimmung dort am besten), dann über die Calle del Castillo zur Plaza de la Candelaria, von dort zur Iglesia de la Concepción, weiter zur Plaza de España, zum Schluss ans Auditorio. Das ergibt eine Linie von Südwest nach Ost, ohne dass Sie Strecke doppelt laufen.
Santa Cruz de Tenerife Geheimtipps: Wo bleibt der Massentourismus aus?
Der Mercado de Nuestra Señora de África um 8:30 Uhr ist ein ganz anderes Santa Cruz als das um 13 Uhr. Ich habe dort einmal für zwei Kilo kanarische Feigen weniger bezahlt als für einen einzigen Café con leche im Hafencafé. Die Markthalle selbst ist kein Geheimtipp mehr, aber der Zeitpunkt macht den Unterschied. Wer vor 9 Uhr kommt, bekommt die Stadt fast leer.
Weniger bekannt ist das Barrio de los Hoteles, ein Viertel im Norden der Altstadt, wo die wohlhabenden Kaufmannsfamilien des 19. Jahrhunderts ihre Stadthäuser gebaut haben. Keine Souvenirläden, keine Busgruppen, dafür Fassaden mit Holzbalkonen, die man auf Teneriffa nicht unbedingt erwartet. Ich bin dort zwei Stunden herumgelaufen und habe keiner anderen Touristin begegnet.
Auditorio, TEA und die Museen: praktische Details, die kaum jemand nennt
Das Auditorio Adán Martín ist das bekannteste Bauwerk der Stadt, und ja, es lohnt sich schon für die Form allein. Was oft fehlt: Die Führungen durch das Gebäude finden nicht täglich statt, und ohne Führung sehen Sie hauptsächlich die Außenhaut und das Foyer. Wenn Sie nur wegen der Architektur kommen, reichen 20 Minuten und ein Spaziergang um das Gebäude herum.
Das TEA, das Tenerife Espacio de las Artes, ist für mich die größere Überraschung gewesen. Der Eintritt in die Dauerausstellung war bei meinem letzten Besuch frei, die Wechselausstellungen kosten etwas. Innen ist es ein heller Betonbau mit einer Bibliothek, in der tatsächlich Studenten lernen und nicht nur Touristen Fotos machen. Ich habe dort eine Stunde in einem Innenhof mit Blick auf die alte Kirche verbracht und mich gefragt, warum das niemand erwähnt.
Welche Museen lohnen sich wirklich?
Das Museo de la Naturaleza y el Hombre ist das größte Museum der Stadt und für alle interessant, die sich für die Guanchen, die Ureinwohner der Insel, interessieren. Die Sammlung ist umfangreich, die Beschriftungen auch auf Englisch, und für einen Regentag ist es die beste Option im Zentrum. Wer wenig Zeit hat, kann den Rest der Museen getrost auslassen, denn keines erreicht diese Tiefe.
Was zuerst, was später? Ein ehrlicher Vergleich
Nicht jede Sehenswürdigkeit verdient dieselbe Priorität. Diese Tabelle gibt meine eigene Einschätzung wieder, basierend auf mehreren Besuchen zu unterschiedlichen Tageszeiten.
| Ort | Priorität | Zeitbedarf | Am besten wann |
|---|---|---|---|
| Plaza de España | Sehr hoch | 30 Minuten | Vormittags |
| Iglesia de la Concepción | Hoch | 20 Minuten | Vormittags |
| Mercado de Nuestra Señora de África | Sehr hoch | 45 Minuten | Vor 9:30 Uhr |
| Auditorio Adán Martín | Mittel (außen) | 20–60 Minuten | Nachmittags |
| TEA | Mittel | 60 Minuten | Nachmittags |
| Palmetum | Hoch | 2 Stunden | Später Nachmittag |
| Playa de las Teresitas | Hoch bei schönem Wetter | Halber Tag | Ganztägig |
Palmetum und Playa de las Teresitas: die Ziele außerhalb des Kerns
Der Palmetum wird in den meisten Übersichten in einem Halbsatz erwähnt, und das ist fast eine Beleidigung. Es handelt sich um einen botanischen Garten auf einem Hügel, der früher eine Mülldeponie war. Heute wachsen dort Palmen aus aller Welt, und von der oberen Terrasse haben Sie einen Blick über den Hafen, die Stadt und bei klarer Sicht bis zum Teide. Ich habe dort den besten Sonnenuntergang der ganzen Reise gesehen und musste keinen Eintritt bezahlen, als ich an einem Sonntagmorgen kam.
Die Playa de las Teresitas liegt etwa 20 Minuten mit dem Auto östlich der Stadt, und der feine, goldgelbe Sand ist nicht einheimisch, er wurde aus der Sahara herangeschafft. Das klingt nach einer Fußnote, erklärt aber, warum der Strand so anders aussieht als die schwarzen Vulkansände im Rest der Insel. In San Andrés, dem Dorf direkt dahinter, gibt es Restaurants mit frischem Fisch, und wenn Sie noch Zeit haben, lohnt sich der kurze Abstecher zum Mirador de San Andrés mit Blick auf die Küste und die Anaga-Berge.
Lohnt sich ein Abstecher nach Anaga?
Wenn Sie einen halben Tag übrig haben: unbedingt. Das Anaga-Gebirge liegt direkt hinter Santa Cruz und ist innerhalb einer halben Stunde erreichbar. Die Straße windet sich durch Lorbeerwald, und die Aussichtspunkte sind oft menschenleer, weil die meisten Besucher lieber zum Teide fahren. Ich habe dort einmal eine ganze Stunde an einem Aussichtspunkt gestanden, ohne dass ein einziges anderes Auto vorbeikam.
Wie Sie die vollsten Tage vermeiden
Der wichtigste praktische Tipp, den ich nach mehreren Anläufen gelernt habe: Achten Sie auf die Kreuzfahrtschiffe. Wenn drei oder vier Schiffe gleichzeitig im Hafen liegen, verdoppelt sich die Zahl der Menschen in der Fußgängerzone. Die Stadt ist dann nicht unangenehm, aber der Unterschied ist deutlich spürbar. Die Ankunftszeiten ändern sich täglich, ein Blick auf den Hafenkalender oder einfach ein Blick vom Aussichtspunkt auf die Schiffe im Hafen verschafft Klarheit.
Der zweite Tipp betrifft die Fortbewegung. Tram und Stadtbusse sind günstig, aber im Zentrum oft langsamer als zu Fuß, weil die Strecken kurz und die Haltestellen weit auseinander liegen. Für die Wege zu Palmetum oder Teresitas brauchen Sie dagegen ein Fahrzeug oder einen Bus. Ich habe einmal versucht, den Palmetum zu Fuß vom Zentrum aus zu erreichen, und es hat länger gedauert als gedacht, weil die Hügel steiler sind, als sie auf der Karte wirken.
Was von Santa Cruz bleibt
Nach mehreren Besuchen ist mir aufgefallen, dass ich mich an kaum eine der großen Sehenswürdigkeiten erinnere, wenn ich an Santa Cruz denke. Was bleibt, ist der Mercado um halb neun, das Gedränge um Feigen und Fisch, das leere Barrio de los Hoteles am Nachmittag, der Blick vom Palmetum, als die Sonne hinter dem Hafen versank. Die Monumente sind einen Besuch wert, keine Frage, aber die Stadt selbst ist das eigentliche Ziel.
Vielleicht liegt genau darin der Unterschied zu den Städten, die man in drei Stunden abhakt und wieder vergisst. Santa Cruz will nicht beeindrucken. Es will gelebt werden. Und wenn Sie beim nächsten Mal an der vollgestopften Calle del Castillo stehen und sich fragen, ob das alles war, gehen Sie einfach zwei Straßen weiter nach Norden. Dort wartet die Stadt, die nicht in den Reiseführern steht.